Training 8 Min. Lesezeit
Walking-Trainingsplan für Anfänger: In 8 Wochen von 20 auf 60 Minuten
Wie schnell zügiges Gehen wirklich ist, wie viele Minuten pro Woche sich lohnen und ein 8-Wochen-Plan, der dich von 20-Minuten-Runden zu einer Stunde zügigem Walking mit Intervallen bringt.
Veröffentlicht von BEON.RUN ·
Zügiges Gehen ist das am meisten unterschätzte Training überhaupt. Kein Fitnessstudio, keine besondere Ausrüstung, keine Vorkenntnisse. Bequeme Schuhe, 20 Minuten und ein Gehweg, Park oder Feldweg in der Nähe reichen.
Viele halten Gehen trotzdem nicht für „richtigen“ Sport. Das ist ein Irrtum. Ein gut geplantes Walking-Programm baut Ausdauer auf, macht Bewegung zur Gewohnheit und ist ein idealer erster Schritt für alle, denen Joggen gerade zu viel ist. Entscheidend ist der Unterschied zwischen Spaziergang und Training: Tempo, Regelmäßigkeit und eine schrittweise Steigerung der Zeit.
Hier bekommst du konkrete Antworten: wie schnell zügiges Gehen ist, wie viel du pro Tag und Woche gehen solltest, ein 8-Wochen-Plan mit Tabelle, Technik, Schuhe, der Weg vom Gehen zum Laufen und ein paar Ideen, wie du über Woche drei hinaus motiviert bleibst.
Vor dem Start: kurz zur Gesundheit
Gehen gehört zu den sichersten Sportarten, aber das heißt nicht, dass jeder am ersten Tag eine Stunde zügig gehen kann. Hast du eine Herzerkrankung, Bluthochdruck, Diabetes, Gelenk- oder Rückenprobleme, bist du schwanger oder hast dich lange kaum bewegt, sprich zuerst mit deinem Arzt.
Wie schnell ist zügiges Gehen?
Ein Spaziergang ist das Tempo, bei dem du Schaufenster anschaust und mühelos plauderst. Zügiges Gehen ist deutlich mehr: Die Atmung wird schneller, nach ein paar Minuten wird dir warm, aber du musst nie in den Laufschritt wechseln.
Der verlässlichste Maßstab ist der Sprechtest, derselbe, den Laufanfänger nutzen:
- Du könntest singen: Das ist ein Spaziergang, schneller werden.
- Du kannst in ganzen Sätzen sprechen, Singen wäre schwer: Das ist zügiges Gehen, genau richtig.
- Du bekommst nur ein paar Worte heraus: Das ist sehr zügiges Gehen, gut für kurze Intervalle, nicht für eine ganze Einheit.
Wenn du lieber Zahlen magst: Zügiges Gehen liegt für viele Erwachsene typischerweise bei 5-6,5 km/h oder rund 9-12 min/km. Sieh das als typischen Bereich, nicht als Prüfung.
| Art des Gehens | Typische Pace | Typisches Tempo | Sprechtest |
|---|---|---|---|
| Gemütlicher Spaziergang | langsamer als 12 min/km | unter 5 km/h | du könntest singen |
| Zügiges Gehen | ca. 9-12 min/km | ca. 5-6,5 km/h | ganze Sätze, kein Singen |
| Sehr zügiges Gehen | schneller als 9 min/km | über 6,5 km/h | kurze Sätze oder einzelne Worte |
Wie min/km und km/h zusammenhängen, erklärt unser Leitfaden zur Lauf-Pace, und dieselbe Rechnung gilt fürs Gehen.
Wie viel solltest du pro Tag und Woche gehen?
Der beste Bezugspunkt ist die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation: Erwachsene sollten sich mindestens 150 Minuten pro Woche mit mittlerer Intensität bewegen. Zügiges Gehen ist genau diese Art von Aktivität. Details findest du im WHO-Faktenblatt zur körperlichen Aktivität.
Diese 150 Minuten kannst du ganz unterschiedlich sammeln:
- 5 x 30 Minuten, etwa auf einem Teil des Arbeitswegs,
- 3 x 30 Minuten unter der Woche plus eine längere Runde am Wochenende,
- 2 kürzere Runden unter der Woche und je 45 Minuten am Samstag und Sonntag.
Und die berühmten 10.000 Schritte am Tag? Eine runde, leicht zu merkende Zahl und für viele ein guter Motivator. Aber sie ist keine medizinische Regel und keine Schwelle, unter der Gehen sinnlos wäre. Machst du derzeit 3.000 Schritte, ist jede zusätzliche Handvoll hundert Schritte ein Schritt in die richtige Richtung. Fürs Training zählen die Minuten im zügigen Tempo mehr als die Schrittsumme.
Der 8-Wochen-Plan für zügiges Gehen (Tabelle)
Der Plan sieht 4 Einheiten pro Woche vor: zwei oder drei normale Runden, ab Woche 4 eine Intervallrunde und eine lange Runde, am besten am Wochenende. Die übrigen Tage sind Ruhetage, ein gemütlicher Spaziergang oder eine lockere Radrunde ist an diesen Tagen aber völlig in Ordnung.
| Woche | Normale Runden | Intervallrunde | Lange Runde | Summe pro Woche |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 3 x 20 min (letzte 5 min zügig) | - | 25 min locker | 85 min |
| 2 | 3 x 25 min (letzte 10 min zügig) | - | 30 min | 105 min |
| 3 | 3 x 30 min zügig | - | 35 min | 125 min |
| 4 | 2 x 30 min | 30 min: 5 locker + 5 x (2 min sehr zügig + 2 min zügig) + 5 locker | 40 min | 130 min |
| 5 | 2 x 35 min | 35 min: 5 + 5 x (3 min sehr zügig + 2 min zügig) + 5 | 45 min | 150 min |
| 6 | 2 x 40 min | 40 min: 5 + 6 x (3 min sehr zügig + 2 min zügig) + 5 | 50 min | 170 min |
| 7 | 2 x 40 min | 45 min: 5 + 5 x (5 min sehr zügig + 2 min zügig) + 5 | 55 min | 180 min |
| 8 | 2 x 45 min | 45 min: 5 + 5 x (6 min sehr zügig + 1 min zügig) + 5 | 60 min | 195 min |
Ab Woche 5 kommst du auf mindestens 150 Minuten zügiges Gehen pro Woche, das entspricht der WHO-Empfehlung. In Woche 8 dauert deine lange Runde eine Stunde, und die Intervallrunde ist richtig fordernd.
So liest du den Plan
- „Letzte 5 min zügig“ heißt: Du startest im angenehmen Spaziertempo und wirst gegen Ende zügig.
- „Sehr zügig“ in den Intervallen ist das Tempo, bei dem du nur kurze Sätze schaffst. Gehen, nicht joggen.
- „Zügig“ ist dein normales Tempo nach dem Sprechtest. Du erholst dich in Bewegung, du bleibst nicht stehen.
- Die lockeren 5 Minuten am Anfang und Ende sind Aufwärmen und Auslaufen. Nicht weglassen.
- Die lange Runde gehst du in einem Tempo, bei dem du frei plaudern kannst. Hier zählt die Zeit, nicht das Tempo.
War eine Woche schwer, wiederhole sie. Fängt etwas an wehzutun, statt nur müde zu sein, leg einen Ruhetag ein und geh zu einer leichteren Woche zurück. Der Plan ist keine Prüfung, und 10 statt 8 Wochen sind trotzdem ein Erfolg.
Technik beim zügigen Gehen
Mit guter Technik gehst du bei gleicher Anstrengung schneller und wirst weniger müde. Du musst nicht alles auf einmal ändern. Nimm dir pro Woche einen Punkt vor.
- Haltung: Richte dich auf, als würde ein Faden deinen Scheitel sanft nach oben ziehen. Schau ein paar Meter voraus, nicht auf die Füße.
- Arme: Ellbogen etwa im rechten Winkel beugen und die Arme nah am Körper vor und zurück schwingen. Hände locker, keine Fäuste. Ein aktiver Armschwung macht die Beine ganz von selbst schneller.
- Schritt: Statt die Schritte zu verlängern, mach sie schneller. Zu lange Schritte bedeuten, dass du weit vor dem Körper hart auf der Ferse landest, und das bremst.
- Fuß: Mit der Ferse aufsetzen, über den Fuß abrollen und über die Zehen abdrücken.
Wenn du gern mit Stöcken gehst, probier Nordic Walking. Das ist eine eigene Technik, trainiert zusätzlich den Oberkörper und passt gut zu längeren Runden. Wie es richtig geht, steht in unserem Leitfaden Nordic Walking für Anfänger.
Schuhe und Kleidung zum Walken
Teure Ausrüstung brauchst du nicht, aber die Schuhe zählen. Wähle Sportschuhe mit flexibler Sohle und guter Fersendämpfung, die sich sofort bequem anfühlen. Laufschuhe oder spezielle Walkingschuhe funktionieren beide gut. Schwere Wanderstiefel heb dir für die Berge auf.
- Größe: Lass etwa eine Daumenbreite Platz zwischen dem längsten Zeh und der Schuhspitze. Auf längeren Runden schwellen die Füße etwas an.
- Socken: Sportsocken ohne dicke Nähte. Baumwolle saugt Schweiß auf und fördert Blasen.
- Kleidung: Zwiebelprinzip. Nach 10 Minuten zügigem Gehen ist dir wärmer, als du denkst.
- Handy: im Hüftgurt oder in einer Tasche mit Reißverschluss, nicht in der Hand, damit die Arme frei schwingen.
Im Herbst und Winter, wenn es früh dunkel wird, kommt etwas Reflektierendes dazu. Unser Beitrag zum Laufen im Dunkeln und im Winter erklärt Sichtbarkeit und Ausrüstung, und das meiste gilt auch fürs Gehen.
Gehen statt Joggen oder Gehen vor dem Joggen?
Gehen muss kein Zwischenschritt sein. Für viele ist es über Jahre die liebste Art, sich zu bewegen, und das ist eine vollwertige Entscheidung. Es schont die Gelenke mehr als Laufen und lässt sich leichter in den Alltag einbauen.
Wenn sich nach 8 Wochen eine Stunde zügiges Gehen angenehm anfühlt und du neugierig aufs Laufen bist, hast du eine super Grundlage. Sehnen, Gelenke und Herz sind an regelmäßige Belastung gewöhnt. Der natürliche nächste Schritt sind Lauf-Geh-Intervalle, also kurze Laufabschnitte im Wechsel mit Gehen. Eine fertige Tabelle findest du in unserem 5-km-Plan für Anfänger: in 8 Wochen von null auf 5 km.
Ein paar Regeln für den Übergang:
- Mit 1 Minute Laufen beginnen, mitten in einer vertrauten Runde, nicht gleich mit 10 Minuten.
- Langsam laufen. Lockeres Joggen ist vielleicht nur etwas schneller als sehr zügiges Gehen, und das ist gut so.
- Die lange Runde am Wochenende behalten. Sie baut weiter Ausdauer auf, ohne die Belastung eines langen Laufs.
Motivation: mit anderen gehen, auch auf Distanz
Der schwierigste Teil jedes Plans sind die Wochen 3-5. Genau dann hilft die Verabredung mit anderen am meisten.
- Feste Zeiten. Dienstag und Donnerstag nach der Arbeit, Samstagvormittag.
- Mit jemandem gehen. Das Gespräch hält dein Tempo ehrlich, denn das ist der Sprechtest in der Praxis.
- „Zusammen“ gehen aus der Ferne. Eine Freundin in einer anderen Stadt geht zur selben Zeit wie du, und hinterher vergleicht ihr Strecken und Zeiten.
- Einheiten notieren. Datum, Dauer, Gefühl auf einer Skala von 1-5. Nach einem Monat siehst du, wie weit du gekommen bist.
Ein paar ehrliche Hinweise. Der Handybildschirm muss an bleiben, denn ein gesperrter Bildschirm oder ein App-Wechsel kann GPS und Kamera pausieren. Ein Stream mit Kamera braucht viel Akku und Datenvolumen. Im Tarif FREE dauert ein Stream bis zu 30 Minuten, für eine Stunde Gehen teil also lieber nur die Live-Karte ohne Kamera oder sieh dir die Tarife an.
Wenn deine Einheiten automatisch festgehalten werden sollen, erstelle ein kostenloses Konto: Die Aktivitäten landen im Trainingskalender, du siehst Statistiken und Rekorde und kannst „150 Minuten Gehen pro Woche“ als persönliches Ziel setzen.
Typische Fehler im Walking-Plan
Die ganze Zeit nur spazieren
Ein Spaziergang ist schön, aber wenn du die ganze Einheit lang singen könntest, ist es kein zügiges Gehen. Mach alle paar Minuten den Sprechtest und zieh das Tempo an.
Zu viel, zu schnell
Die Begeisterung der ersten Woche verführt zu einer 90-Minuten-Runde. Füße, Waden und Schienbeine brauchen Zeit. Blasen und Schienbeinschmerzen kommen meist daher, dass die Strecke zu schnell wächst.
Schritte mit Gewalt verlängern
Das ist der häufigste Technikfehler. Schneller wirst du mit schnelleren Schritten und kräftigerem Armschwung, nicht mit immer längeren Schritten.
Nach einer verpassten Woche aufgeben
Eine Woche verpasst? Wiederhole die letzte Woche, die du geschafft hast, und mach weiter. Nicht alles an einem Wochenende „nachholen“.
Nach 8 Wochen: wie geht es weiter
Du hast 8 Wochen und eine Stunde Gehen hinter dir. Das ist eine echte Leistung. Du kannst 150-200 Minuten pro Woche als feste Gewohnheit beibehalten, hügelige Strecken einbauen, Nordic Walking ausprobieren oder den ersten Schritt Richtung Laufen machen.
Was du auch wählst, die wichtigste Regel bleibt: Beweg dich in einem Tempo, bei dem du morgen gern wieder rausgehst.
Häufige Fragen
Wie schnell ist zügiges Gehen?
Am einfachsten prüfst du es mit dem Sprechtest: Beim zügigen Gehen atmest du spürbar schneller, kannst aber noch in ganzen Sätzen sprechen, Singen wäre schwer. Für viele Erwachsene sind das typischerweise etwa 5-6,5 km/h, also rund 9-12 min/km. Dein eigenes Tempo kann je nach Größe, Alter und Fitness abweichen, und das ist völlig in Ordnung.
Wie viele Minuten Gehen pro Woche reichen?
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 Minuten körperliche Aktivität mittlerer Intensität pro Woche, und zügiges Gehen zählt dazu. Das können fünfmal 30 Minuten sein oder vier längere Runden. Jede zusätzliche Minute Bewegung statt Sitzen hilft ebenfalls.
Brauche ich wirklich 10.000 Schritte am Tag?
Nein. 10.000 Schritte sind ein beliebtes, rundes Ziel, aber keine medizinische Regel. Die Zahl kann motivieren, doch Gehen lohnt sich lange bevor du sie erreichst. Fürs Training zählen die Minuten im zügigen Tempo pro Woche und deine Regelmäßigkeit mehr als eine bestimmte Zahl auf dem Schrittzähler.
Kann Gehen das Joggen ersetzen?
Für viele Menschen ja, als wichtigste Form der Bewegung, besonders beim Einstieg, nach einer Pause oder mit Übergewicht. Gehen ist gelenkschonender, und zügiges Gehen mit Intervallen kann richtig fordernd sein. Wer später laufen möchte, findet im regelmäßigen Gehen eine hervorragende Vorbereitung.
Lass deine Leute deine Strecke live verfolgen
Video, GPS-Karte und Pace in einem Link. Zuschauer brauchen weder App noch Konto.